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„Perfektion ist keine Stärke. Sie ist oft eine gut getarnte Angst.“

Perfektionismus = Stressfaktor
Perfektionismus = Stressfaktor

„Ein erfülltes Leben entsteht selten durch Perfektion – sondern durch Echtheit.“


– Marc Raffler –


Perfektionismus – ein stiller Stressfaktor

In meiner Praxis begegnen mir immer wieder Menschen, die nach aussen souverän, leistungsfähig und verantwortungsvoll wirken – und innerlich unter enormem Druck stehen. Sie haben hohe Ansprüche an sich selbst, wollen alles richtig machen, niemanden enttäuschen und möglichst keine Fehler zulassen. Was viele dabei nicht bemerken: Genau dieser Perfektionismus raubt ihnen Lebensfreude, Leichtigkeit und oft auch die Verbindung zu sich selbst – und belastet ganz nebenbei ihr Umfeld.


Perfektionismus fühlt sich für Betroffene selten wie ein Problem an. Er fühlt sich eher wie eine Pflicht an. Wie etwas, das man tun muss, um sicher zu sein, akzeptiert zu werden oder den Überblick zu behalten. Doch der Preis dafür ist hoch.


Wenn „gut genug“ nie reicht

Typische Gedanken von perfektionistischen Menschen sind:

  • „Ich hätte es noch besser machen können.“

  • „Das reicht so noch nicht.“

  • „Andere erwarten mehr von mir.“

  • „Wenn ich einen Fehler mache, wird es unangenehm.“


Das Fatale daran: Das Ziel verschiebt sich ständig. Selbst wenn etwas objektiv sehr gut gelungen ist, bleibt innerlich das Gefühl von Unzufriedenheit. Erfolge werden relativiert, Fehler überbewertet. Entspannung wird auf später verschoben – auf einen Zeitpunkt, der selten kommt.


Ein Fallbeispiel aus der Praxis

Ich nenne sie Anna.

Anna ist Anfang 40, beruflich erfolgreich, Mutter von zwei Kindern. Sie kommt in die Praxis, weil sie ständig erschöpft ist, schlecht schläft und das Gefühl hat, „nie fertig zu sein“. Im Gespräch wird schnell klar: Anna stellt extrem hohe Ansprüche an sich selbst – im Job, als Mutter, als Partnerin.

Sie plant jeden Tag minutiös, kontrolliert vieles mehrfach und ärgert sich über sich selbst, wenn etwas nicht perfekt läuft. Gleichzeitig spürt sie, wie gereizt sie auf ihr Umfeld reagiert. Ihr Mann sagt, sie sei kaum noch wirklich präsent, die Kinder hätten Angst, etwas falsch zu machen.

Was Anna lange nicht gesehen hat: Ihr Perfektionismus war kein Charakterfehler – sondern eine alte Überlebensstrategie.


Woher Perfektionismus oft kommt

Meine Beobachtung aus vielen Jahren Praxis und eigener Erfahrung mit diesem Thema zeigt: Perfektionismus entsteht sehr häufig in der Kindheit.


Zum Beispiel dann, wenn:

  • viel Verantwortung früh übernommen werden musste

  • Lob an Leistung geknüpft war

  • Fehler mit Kritik, Liebesentzug oder Beschämung verbunden waren

  • ein Elternteil überfordert, krank oder emotional wenig verfügbar war


Kinder lernen in solchen Situationen unbewusst:

„Wenn ich alles richtig-perfekt mache, bin ich sicherer.“

Perfektionismus hilft dem Kind, sich anzupassen, Konflikte zu vermeiden und Stabilität zu schaffen. Damals war das sinnvoll. Heute jedoch wirkt diese Strategie weiter – obwohl sie nicht mehr nötig wäre.


Der Druck auf das Umfeld

Perfektionismus betrifft nie nur die betroffene Person selbst. Partner, Kinder, Mitarbeitende oder Freunde spüren diesen inneren Anspruch oft deutlich:

  • Erwartungen sind hoch – auch unausgesprochen

  • Fehler werden schneller bemerkt als Erfolge

  • Spontanität und Leichtigkeit gehen verloren


Nicht selten entsteht so Distanz, obwohl eigentlich alles „gut gemeint“ ist.


Der Weg raus: vom Müssen zum Dürfen

Der erste und wichtigste Schritt ist Bewusstheit. Zu erkennen:


„Ich mache das nicht, weil ich will – sondern weil ich glaube, ich muss.“


In meiner Arbeit geht es nicht darum, Ansprüche komplett aufzugeben. Sondern sie zu hinterfragen und zu entlasten:

  • Was ist heute wirklich wichtig?

  • Wem gehört dieser Anspruch eigentlich?

  • Was würde passieren, wenn es 80 % statt 100 % wären?


Oft braucht es dabei auch einen Blick zurück – zu dem Teil in uns, der gelernt hat, nur durch Perfektion sicher zu sein. Wenn dieser innere Druck sich lösen darf, entsteht Raum für Gelassenheit, Selbstmitgefühl und echte Zufriedenheit.


Fazit

Perfektionismus ist kein Zeichen von Stärke – sondern häufig ein Zeichen dafür, dass jemand sehr früh gelernt hat, stark sein zu müssen.


Wenn du merkst, dass du dich selbst und andere oft unter Druck setzt, lohnt es sich hinzuschauen. Nicht mit Kritik, sondern mit Verständnis.



Gerne unterstütze ich dich dabei – mit Coaching, Hypnose oder einfach einem offenen Ohr.

Bis bald – vielleicht persönlich in meiner Praxis oder beim nächsten Blogartikel.


Mit herzlichen Grüssen


Marc Raffler


Mentalcoach & Hypnosetherapeut


PS: Wenn du künftig keinen Blogbeitrag rund um mentale Gesundheit, Persönlichkeitsentwicklung und praktische Impulse mehr verpassen möchtest, trag dich gerne hier ein: 👉 www.marcraffler.ch/kontakt


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