War das schon alles?
- Marc Raffler

- 6. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt Momente im Leben, die keine lauten Ankündigungen machen. Sie kommen nicht mit Paukenschlägen, nicht mit dramatischen Ereignissen, sondern schleichen sich leise in unser Bewusstsein – wie der erste Schnee, der die Landschaft still und weiss überzieht.
Ein Morgen, an dem man merkt, dass man anders aufsteht. Ein Gespräch, das unerwartet nachhallt. Ein Geburtstag, der sich bedeutender anfühlt als die Jahre zuvor.
Oder ein Gefühl, das wie ein leiser Ruf aus der Brust kommt:
„Da muss doch noch mehr sein, oder soll das alles gewesen sein?“
Oft begleitet von einer inneren Leere – wie eine Winterlandschaft, die alles stilllegt, damit Neues entstehen kann.
Ich erkläre den Menschen, die zu mir kommen, dass sie sich vor dieser inneren Leere nicht fürchten müssen. Im Gegenteil: Sie ist ein Vorbote. Ein Übergang. Ein kreativer Raum.
Wie eine grüne Wiese, auf der ein neues Haus entstehen darf. Oder wie der Frühling, der nach einem langen Winter leise seinen Weg zurück ins Leben findet.
Wenn das Leben ruft
Viele Menschen erleben diesen Ruf in der klassischen Lebensmitte — irgendwo zwischen 40 und 55 Jahren. Eine Phase, in der wir nicht mehr ganz die sind, die wir einmal waren und noch nicht die, die wir werden könnten.
Manchmal trifft dieser Ruf aber auch Menschen viel früher – mit 25, 30 oder 35.Ich bezeichne sie dann als frühreif :-). Sie spüren den Wunsch nach Sinn, Orientierung und innerer Wahrheit deutlich früher als die meisten.
Die Psychologie nennt diese Phase einen Übergang.
Die Evolutionsbiologie nennt sie eine Weichenstellung.
Und ich nenne sie: The Second Life.
Die Lebensmitte – ein biologischer Wendepunkt
Aus evolutionspsychologischer Sicht ist die erste Lebenshälfte klar definiert: Mit Überleben. Sicherheit. Aufbau. Familie. Leistung. Funktionieren.
Doch irgendwann erkennt das innere System – der Körper, der Geist, die Seele – dass diese Phase erfüllt ist.
Die Kinder werden selbstständiger. Die eigene Rolle verändert sich. Man hat vieles erreicht, erlebt, überstanden.
Und dann aktiviert sich etwas, das schon lange in uns geschlummert hat: Selbstverwirklichung.
Nicht im materiellen Sinn. Sondern als Rückkehr zu sich selbst. Zu dem, was schon immer da war – aber erst jetzt Raum bekommt.
Es ist, als würde die Seele sagen:
„Danke, dass du so lange für andere da warst aber jetzt bist du dran.“
Die unsichtbaren Übergänge – wenn das Leben stiller wird
Viele Menschen fühlen in dieser Phase ein Ziehen zwischen Sicherheit und Sehnsucht. Das Alte gibt Halt, das Neue ruft und die innere Stimme flüstert:
„Traust du dich, dein nächstes Kapitel wirklich zu schreiben?“
Anfangs ist diese Zeit oft geprägt von Verwirrung, Orientierungslosigkeit und leiser Angst.
Man spürt die Veränderung, aber erkennt ihren Weg noch nicht.
Genau hier setzt Coaching an.
Es hilft dabei, wieder auf die eigene innere Stimme zu hören – und jene mentalen und emotionalen Schichten aufzulösen, die sich über die Jahre über unser wahres Selbst gelegt haben.
gesellschaftliche Erwartungen
familiäre Prägungen
berufliche Rollen
das endlose „höher, schneller, weiter, besser, reicher…“
Wie eine Zwiebel, die man Schicht für Schicht abschält, erscheint darunter das wahre Selbst – klar, unverstellt und bereit, neu zu wachsen. Wie der Boden unter dem Schnee, der geduldig wartet, bis der Frühling ihn weckt.
Neuorientierung – wenn der innere Kompass sich neu ausrichtet
In dieser Phase stellen sich viele Fragen neu:
Welche Träume schlummern noch in mir?
Welche Werte will ich wirklich leben?
Was ist mir heute wichtig?
Was liegt in meiner Macht zu verändern?
Die Lebensmitte schenkt uns die Chance, Rollen loszulassen, Muster zu verändern und bewusst zu wählen, wer wir künftig sein wollen.
Es ist die Zeit, in der wir das reine Funktionieren hinter uns lassen— und zu dem zurückfinden, was wir im Innersten schon immer waren.
Späte Selbstverwirklichung – warum 40/50+ erst der Anfang ist
Viele glauben, ab Mitte Vierzig ginge es bergab. Doch das Gegenteil ist wahr:
Wir besitzen Lebenserfahrung.
Wir wissen, was nicht funktioniert.
Wir müssen niemandem mehr etwas beweisen.
Wir setzen neue Prioritäten.
Wir haben den Mut, authentisch zu werden.
Die späte Selbstverwirklichung ist kein zweiter Frühling. Sie ist die eigentliche Reifezeit eines Menschen.
Viele entdecken jetzt neue Wege, neue Interessen, neue Freiheit. Es ist nie zu spät.
Doch manchmal braucht es jemanden, der den Nebel lichtet und die eigene innere Stimme wieder hörbar macht — so wie der Frühling, der nach einem langen Winter die Welt in neuem Licht erscheinen lässt.
Gerne unterstütze ich dich dabei – mit Coaching, Hypnose oder einfach einem offenen Ohr.
Bis bald – vielleicht persönlich in meiner Praxis oder im nächsten Blogartikel.
Mit herzlichen Grüssen
Marc Raffler
Mentalcoach & Hypnosetherapeut
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